RUBRIK: KULTUR Nicht alles geht baden 
10. Bamberger Antiquitätenwochen eröffnet „Viele sagen: Das Bildungsbürgertum ist schon längst tot. Nicht in Bamberg!“ Mit diesen Worten charakterisierte der Initiator und Organisator der Bamberger Antiquitätenwochen István Csonth in seiner Eröffnungsrede am Montag, den 25. Juli im malerischen Rokokosaal des Alten Rathauses die Weltkulturerbestadt.
Auch wenn das „Botero-Missgeschick“ am Wochenende vor der Eröffnung für Aufregung sorgte, brechen für die Bamberger Kunst- und Antiquitätenwelt bedeutende Tage an. 
Das Vorhaben, die füllige Bronzestatue des weltberühmten Bildhauers Fernando Boteros, anlässlich des zehnten Jubiläums dieser Kunsttage in der Regnitz ein Bad nehmen zu lassen, fiel sprichwörtlich ins Wasser. „Die Skulptur geriet in eine 40-Grad-Schieflage, die nicht mehr korrigiert werden konnte“, so der am Projekt beteiligte Architekt Rosenberg. Daraufhin wurde die „Liegende mit Frucht“ wieder an ihren ursprünglichen Standort am Heumarkt gebracht.
Dennoch ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Weltkulturerbestadt in den kommenden Wochen mit einigen „Schmankerln“ für Kunstliebhaber aufwarten kann. Bereits zum zehnten Mal veranstalten die Antiquitätenhändler zwischen Domberg und Altem Rathaus diese Tage der Kunst und beeindrucken auf einer Gesamtfläche von 2500 Quadratmetern bis zum 23. August die Besucher mit ihren Kostbarkeiten. Wir haben die Antiquitätenwochen zum Anlass genommen, mit der Inhaberin von „Antiquitäten Ströhlein – Kunst und Antiquitäten“ zu sprechen. 
Frau Ströhlein, was erwarten sie sich persönlich von den Antiquitätenwochen? Auf alle Fälle mehr Interessenten, mehr Käufer und mehr potentielle Käufer als in der normalen Zeit. Wir Antiquitätenhändler wünschen uns natürlich vom Verkauf her erfolgreiche Antiquitätenwochen, aber wir leben natürlich nicht nur in dieser Zeit vom Verkauf, sondern das ganze Jahr. Für uns sind nicht nur die Bamberger relevant, die wir natürlich auch brauchen. Aber in der Überzahl leben wir von auswärtigen Kunden. Bamberg lockt immer wieder neue Kunden an und das ist schön. 
Die Wagner Festspiele in Bayreuth werden ja am gleichen Tag wie die Bamberger Antiquitätenwochen eröffnet. Ist dies Absicht?
Genau, dieser Termin ist von uns absichtlich gewählt. Wir veranstalten die Antiquitätenwochen immer parallel zu den Festspielen in Bayreuth, damit die Leute auch bei uns vorbeischauen. Es wäre mir jedoch lieber, wenn wir schon eine Woche vorher beginnen würden, damit dann alles wieder in geregelten Bahnen läuft, wenn die Kunden kommen und der Vorbereitungsstress und Eröffnungsrummel vorbei sind. 
Was können Sie über das 'Botero-Missgeschick' erzählen? Ich glaube vor allem, dass der Presserummel, der ja vorher schon vorhanden war, jetzt noch größer ist. Ich weiß nicht, ob die Leute wirklich nur wegen der Botero-Figur nach Bamberg gekommen wären, um sie im Wasser zu sehen. Ich hätte Sie anschließend am liebsten in der Altstadt in der Nähe des Alten Rathauses aufgestellt, aber das war wahrscheinlich zu kurzfristig. Aber als sie in der Regnitz unterging, ist so manchen das Herz in die Hosentasche gerutscht. 
Die Idee, die Botero-Statue in die Regnitz zu schaffen, ging von den Bamberger Antiquitätenhändlern aus? Ja, die Idee ging von Organisator István Csonth aus. Es war schon damals unser Vorschlag, bevor die Statue auf dem Heumarkt kam, sie in der Nähe des Alten Rathauses zu postieren, um die Altstadt noch attraktiver zu gestalten. Freilich ist die Stadt bemüht mehrere Plätze attraktiv zu gestalten, aber es ist fraglich, ob sie jetzt gerade am Heumarkt so gut aufgehoben ist. Ich bin auch Bambergerin und von Montag bis Samstag im Geschäft. Also, ich bin noch nicht zum Heumarkt hingegangen, um sie mir nochmals anzusehen. Für mich ist der Heumarkt etwas weit vom Schuss. Ich glaube, dass sie in der Nähe des alten Rathauses mehr bewundert worden wäre, weil das Ganze ja doch eine recht teuere Sache war. In Bamberg gibt es sehr viele Antiquitäten- und Kunsthändler. Gibt es da nicht einen relativ starken Konkurrenzkampf? Ursprünglich komm ich aus einer ganz anderen Branche. Ich bin seit 1973 selbstständig, aber zu einem anderen Zweck. Ich hab aber schon seit 30 Jahren und noch länger Antiquitäten und Kunstgegenstände gesammelt. Dann habe ich mein Geschäft verkauft und mich zur Ruhe gesetzt. Ein Kindergartenfreund von mir, hat mich auf die leer stehenden Räumlichkeiten verwiesen, in denen sich mein jetziges Geschäft befindet. Er hat gesagt, ich soll doch zu Ihnen in die Straße kommen. Das hat mich damals eigentlich auch verwundert, weil er ja quasi – was andere Leute denken – einen Konkurrenten angeworben hat. In der darauf folgenden Zeit hab ich mich echt vom Gegenteil überzeugen lassen. Es ist nämlich so: Je mehr gute Geschäfte es gibt, die wirklich ehrliche Ware verkaufen, desto mehr tragen wir gemeinsam für den guten Ruf Bambergs bei. So bürgen wir für uns gegenseitig und sichern die Qualität. Deshalb kann ich behaupten, so wie bereits István Csonth bei der Eröffnung der Antiquitätenwochen im Alten Rathaus sagte: Wir arbeiten nicht gegeneinander, sondern füreinander. Vielen Dank für das Interview! Mario Mages, 27. 07. 2005 |